Seit Wochen sind wir zuhause geblieben: ich home office; meine Tochter home schooling. Es sieht so aus, dass wir noch weitere Wochen zuhause bleiben müssen.

Plötzlich haben wir so viel Zeit… haben wir tatsächlich jetzt mehr als 24 Stunden pro Tag zur Verfügung? Warum habe ich jetzt ein Gefühl, dessen Schatten evtl. den Namen „Langeweile“ trägt? Warum dehnt sich die Zeit gefühlt unerträglich aus, wenn der Raum begrenzt ist? Ich brauche Zeit, um wieder zu lernen, mit Zeit anders umzugehen. Zum Glück, die habe ich ja jetzt!

Es sind weiterhin noch immer nur 24 Stunden pro Tag. Keine einzige Veränderung an dieser Zahl! Der Unterschied ist bloß, dass wir keine Räume für die bisher immer da gewesenen Ablenkungen mehr. Kinos, Theater, Museen, Konzerte, Lesungen, Sportveranstaltungen, Einkaufsmeilen, Restaurants… Selbst mein Austausch über digitale Wege mit Familien und Freunden wurde auch wesentlich von diesen Ablenkungen bestimmt:

Thema A: auf der Arbeit ist doch alles blöd. Der Chef ist der aller-blödeste;

Thema B: Wann hast Du Zeit mit mir ins Theater zu gehen? Danach mindestens 10 Whatsapp Nachrichten um einen Termin erst in drei Monaten zu vereinbaren – natürlich wird die Diskussion noch erheblich in die Länge ziehen, wenn nicht nur zwei, sondern drei Freunde in der Chatgruppe involviert sind;

Thema C: wenn das Wetter schlecht ist und nur blöde Filme in den Kinos laufen, dann kann man sich ja spontan zu einem neuen eröffneten Restaurant zum Abendessen verabreden. Wenn das Essen gut ist, dann direkt einen Termin fürs nächste Mal zusammenfinden (oh, nicht vergessen, Essen fotografieren und ins Netz stellen…) Sollten wir Pech haben, das Essen ist fern der Erwartung, dann schnell ein negativer Kommentar auf der Webseite des Restaurants hinterlassen.

Und so weiter…

Als das Corona nicht da war, haben wir immer etwas anderes griffbereit, womit wir uns beschäftigen können.

Aber nun sind alle diesen Möglichkeiten aus unserem Leben verbannt worden…Was bleibt uns übrig? Es sind nur bloß das Wir und unser Gedanken. Aber zum Glück noch die Natur. Es ist erschreckend für mich festzustellen, dass scheinbar ich bereit wäre, selbst auf die Zeit verzichten zu wollen, wenn diese genannten Freizeitaktivitäten nicht mit der Zeit zusammen in einem Paket zusammen angeboten wird. Plötzlich will ich auch keine Zeit mehr haben, wenn ich die Zeit nur alleine verbringen kann.

Viel Grübeln bringt mich auch nicht weiter – nichts entsteht alleine durch das Grübeln. Ich habe eine Idee: auf meiner „Rheinsaite“ wurde schon seit einer sehr langen Zeit keine Lieder mehr gespielt…

Zurück zum Fokus, zurück zu mir selbst: Lesen, Laufen und Schreiben. Mehr brauche ich nicht.