„Mama! Kannst Du bitte beim nächsten McDonald Drive in anhalten? Ich glaube, mein Magen hat gerade angefangen, sich selbst zu essen….“ Meine Tochter klagte leise aber leidvoll neben mir auf dem Beifahrersitz.

„Ja, ich weiß. Es ist schon sehr spät. Ohne den Unfall wären wir ja schon längst zu Hause.“ Natürlich wusste ich, dass sie Hunger hat. Nach dem Frühstück waren wir direkt aufgebrochen und zwischendurch hatten zwar immer kleine Pausen eingelegt, aber irgendwie nichts vernünftiges essen können. Nach 8 Stunden Fahrt, davon 4 Stunden im Stau, verständlich, dass das Hungergefühl die Oberhand gewann trotz interessanter Handyspiele.

Was für ein Glück wir doch hatten! Ein Seitenschild auf der Fahrbahn zeigte gerade an, dass es auf dem nächsten Rasthof ein McDonald gab. 10 Minuten später standen wir vor der Bestelltheke und bestellten zwei Happy Meals mit einer Freude, die sich deutlich von dem Gemützustand unterschied, der uns sonst beim Besuch Fastfoodrestaurants begleitete. Irgendwie viel freudiger als nur freudig…

Nachdem wir gegessen hatten, zufrieden lächelte meine Tochter mich an und sagte: “Mama. Das war so köstlich… Unglaublich, das Essen war das Beste, was ich in diesem Jahr gegessen habe! Jetzt bin ich glücklich!“ „Da bin ich aber froh, dass McDonald dein Magen gerettet hat.“ erwiderte ich und ohne noch weiter im Imbiss zu verweilen machten wir uns auf dem Heimweg.

Wenn man die Umstände der Hungersituation nicht kennt und rein bei den Fakten bleibt, ist das nicht ein bisschen zu wenig oder man könnte sogar sagen erbärmlich, dass dein bestes Essen ein Happy Meal ist, das nur 4,99 € kostet und ausschließlich aus zusammen gepressten Hähnchenreste besteht? Ja. Es ist sehr bedauerlich! Vielleicht würde sich meine Tochter später für ihre Antwort schämen, wenn man sie nach ihrem besten Essen fragt. Wenn wir die Wahl hätten zwischen einem Candellight Menü am Strand in Bali und einem Happy Meal auf einem namenlosen Raststätte… Hm, wofür würden wir uns entscheiden? Ich glaube, die Antwort ist sogar klarer als der klärest Klarlack der Welt.

Aber was hast diese kleine McDonald Geschichte mit Liebe zu tun? Oh. Doch. Ganze Menge sogar. Denn der Traumpartner und die Einsamkeit verhalten sich genauso nach diesem Muster… Der Traumpartner ist das Happy Meal und die Einsamkeit ist der Hunger.

Ich möchte die Einsamkeit nicht verleugnen. Sie ist überall und gerne nachtaktiv. Sie ist besonders laut, wenn der Raum um uns herum leiser ist. Sie liebt uns besonders gerne, wenn wir allein sind und möchte uns für sich allein beanspruchen und teilt nicht gerne mit anderen. Sie hat eine hartnäckige Zuneigung zu uns. (jedenfalls hartnäckiger als die Summe meiner vergangenen Beziehungen).

Es ist manchmal schrecklich und kostet Mühe, diese unerwünschte Zuneigung auszuhalten. Denn wir würden uns doch so gerne verlieben, damit das einsame Gefühl endlich mal aufhört. Vielleicht gehen wir doch mit dem neulich kennengelernten netten Mann noch einmal aus, vielleicht schreiben wir doch noch eine Nachricht an die alte bekannte Nummer, vielleicht sagen wir nächstes Mal doch einmal „ja, gerne“ anstatt „nein, danke“… Die Versuchung ist groß… das weiß auch meine Tochter. Denn wenn man Hunger hat, dann könnte ein 4,99 € Happy Meal genauso verführerisch aussehen wie das Candellight Menü am Strand in Bali…

Ich muss auch zugeben. Ja. Das Essen hat mein Hunger vertrieben und es war sogar lecker. Es ist ok, verschämt  gestehen zu müssen, dass ein Happy Meal mich glücklich und zufrieden gemacht hat. Aber es ist nicht ok, irgendwann verschämt gestehen zu müssen, dass wir uns in einen Mann verliebt zu haben oder gar diesen Mann lieben, der eigentlich gar nicht zu uns passt, weil wir nicht mehr geglaubt haben, dass die wahre Liebe heller ist als die Nacht.

Verlieb dich nicht, wenn Du einsam bist. Solange die Einsamkeit das Herz besitzt, ist dort kein Platz für die wahre Liebe. Mein Traumpartner sollte mir nicht in der einsamen Nacht begegenen. Denn ich möchte, dass er mein schönstes Lächeln im satten Sonnenlicht sieht und mich im hellen Licht liebt.