Ein kleiner Rastplatz

wieder einmal habe ich mit meinem Blog pausiert. Fast zwei Monate.

Ich denke, keiner außer mir hat solche Unregelmäßigkeiten bemerkt. Denn dieser Blog sollte ja nur ein Gedanken-Rastplatz für mich sein. Ich brauche diesen kleinen Platz um mich zu erholen.

Ich erhole mich von der rasenden Zeit, die mich überfordert und mir gar Angst macht. Ich neige sehr dazu, viel und vielleicht sogar zu viel Zeit in die nicht änderbare Vergangenheit und ungewisse Zukunft zu investieren. Ich nehme wenig Zeit für die Gegenwart. Solange ich aber schreibe, kann ich dann doch mit Gewissheit behaupten, dass die Zeit, die ich hier für meinen Blog aufwende, definitiv der Gegenwart gewidmet ist. Dieser Gedanke verleiht mir einen überzeugenden Erholungseffekt und liefert mir den Beweis, dass ich das Hier-und-Jetzt wohl doch wahrnehme. Man könnte auch sagen, dass das Schreiben als mein persönlich effektivstes Training der Achtsamkeit fungiert – ein Modeausdruck (Ich schäme mich ein bisschen dafür, hier dieses Modewort benutzt zu haben. Denn ich mag eigentlich keine Modewörter, eher empfinde ich eine starke Abneigung gegenüber solchen Ausdrucksweisen, die im Grund genommen schon immer existierten, aber plötzlich aus unerklärlichen Gründen in die Mode gekommen sind)

Vielleicht ist es wirklich einfach nur dem Alter geschuldet. Die Hälfte des Lebens ist definitiv vorbei. Ich werde sicher in der zweiten Hälfte meines Lebens (wenn ich gesund bleibe – man weiß es nie) auch noch viele schönere Tage erleben, die ich mir jetzt noch gar nicht erträumen könnte, aber insgesamt im Durchschnitt betrachtet, wird die jetzt beginnende Hälfte meines Lebens eher schlechter abschneiden als die vergangene Hälfte. Daher ist es durchaus sinnvoll, mein Leben ab jetzt – bzw. das Wichtige in meinem Leben ab jetzt – in Worte festzuhalten, damit ich später in einem zufriedenen Gemüt ruhig auf mein ganzes vergangenes Leben zurückblicken kann. Ja, beinah wie eine Lebensversicherung: jede Woche zahle ich einen Beitrag in meinen Blog ein und wenn die Versicherungsfrist abläuft, werde ich hoffentlich eine beträchtliche Summe ernten. Ist das nicht ein schöner beruhigender Gedanke? Durchaus!

Ich erhole mich auch von mir selbst, genau gesagt von meinen ambivalenten Gedanken. Ich hege sogar den Verdacht: könnte ich nicht schreiben, wäre ich schon längst verrückt! Beziehungsweise: ich bin schon verrückt. Aber das Gute ist, dass ich durch das Schreiben weiß, dass ich verrückt bin. Solange man von seiner eigenen Verrücktheit Bescheid weiß, kann man ja einen gesunden Umgang finden. Insofern ist das Schreiben definitiv gesund für mich und vor Allem auch für die Menschen, die mir wichtig sind. Zweifelsohne bin ich eine stolze Besitzerin von vielen schönen positiven Gedanken, die mir klare Richtungen zeigen. Aber wie gesagt – Ambivalenz ist mein Wahrzeichen. (Ich glaube nicht an die Horoskop Theorie, dennoch ist es ziemlich amüsant zu erfahren, dass mein Sternzeichen Waage doch etwas mit meiner Ambivalenz zu tun hat. Eine Waage kann nur ausgewogen sein, wenn auf beiden Seiten das gleiche Gewicht herrscht. Meine Aufgabe ist eben die Ausgewogenheit meiner Ambivalenz zu beherrschen… Puh. Ziemlich nicht einfach). Daher existieren auch manche lästigen unerwünschten Gedanken und sie begleiten mich unermüdlich. Egal was ich mache, sie sind immer da. Diese dunklen Wolken geistern einfach hartnäckig manchmal im Zentrum und manchmal an der Periphere meiner Gedankenhimmel herum und machen keinen Anstalten wegzuziehen. Die einzige Lösung für solche lästigen dunklen Wolken ist ein kräftiges Gewitter. Gewiss bin ich keine Wettergöttin. Mein Gewitter sind dann diese Zeilen, die auf meinem Blog zu sehen sind. Wenn die dunklen Wolkenfetzen in Worte zusammen gepfercht sind, kommt der Regen unvermeidlich. Es wird donnern, es wird vielleicht auch Blitze geben, aber wenn das die einzige Lösung ist für einen späteren blauen Himmel ist, dann hat das Gewitter doch durchaus was Positives. Der Schaden, der durch das Gewitter entstanden ist, kann ich dann unter blauem Himmel beim Sonnenschein wieder ausgleichen.

In den letzten 2 Monaten habe ich mich ein wenig ablenken lassen, die Waage ist ein wenig ins Schwanken gekommen…

Nun nach dem Gewitter folgt der Sonnenschein. Ich schreibe wieder und bin wieder da. Darüber freue ich mich sehr.

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