Wer ist dein Lieblingscafé?

„heute in der Mittagspause habe ich mich mit Jemandem getroffen. Ich weiß jetzt schon nicht mehr, wie er ausgesehen hat… Ein Jammer! Weißt Du? Männer sind so wie Kaffee, manchen trinkst Du zwischendurch, manchen genießt Du ausgiebig, mancher schmeckt nach mehr, mancher schmeckt aber so gut, dass Du dich kaum noch traust, eine zweite Tasse zu trinken. Denn Du kannst die Enttäuschung nicht ertragen, wenn die zweite Tasse , wenn auch nur um eine kleine Nuance schlechter schmeckt wie die erste… und es gibt leider auch solchen Kaffee wie in meiner Mittagspause heute: am liebsten würdest Du ihn beim ersten Schluck schon ausspucken!“

Eine Nachricht von einer Freundin, die ihren Lieblingskaffee noch nicht gefunden hat.

Vielleicht denken auch Männer so über manche Frauen – Ja. Ganz bestimmt haben auch Männer ihre eigene Analogie für die Liebe! Alle Liebenden sollten unbedingt eine individuelle Analogie in Sachen Liebe haben! Da ich unaufhörlich liebe, habe ich natürlich meine Liebesanalogie:

Er kam zufällig an diesen Ort – ein Geschäftstermin vielleicht oder auf dem Heimweg und hatte gerade den Anschluss Zug verpasst….

Es war fast 21:00 Uhr. Er schlenderte durch die kleinen Straßen und entdeckte ein Café. Eigentlich konnte man das nicht von einer Entdeckung sprechen. Denn das Café war mehr gewöhnlich als auffallend: klein & leise! Ein Gast war noch drin, schien aber jeden Moment aufzustehen und nach Hause zu gehen. Denn die Kaffeezeit war schon längst vorbei. Aber es duftete noch nach Kaffee. Obwohl das Café bald schon schloss, drückte er die Tür auf und trat hinein. Er war eigentlich kein unhöflicher Mann, der der Baristin in den letzten Minuten vor Ladenschließung keine Ruhe gewährte. Aber vielleicht lag es daran, dass die Baristin in dem Moment ihm ein erschöpftes, aber dennoch sehr freundliches Lächeln geschenkt hatte, als er neugierig drein schaute, vielleicht lag es auch daran, dass er wirklich nicht wusste, wo er in diesen Abendstunden alleine sonst verbringen konnte. Denn nach Hause zu seiner Familie wollte/konnte er nicht…

Er bestellte eine Tasse Kaffee. Der letzte Gast war gerade gegangen und es gab nicht mehr viel zu tun im Laden. Die Baristin bereitete ihren letzten Kaffee – so sorgfältig, konzentriert, ja beinah hingebungsvoll, als wäre es der ersten Kaffee, mit dem sie den Tag eröffnete. Das gefiel ihm sehr. Diese Sorgfalt, Konzentration, ja beinah Hingabe…

Seit diesem Abend, seit dieser ersten Tasse Kaffee, kommt er gerne zu diesem Ort – nicht mehr zufällig! Alles im Café hat angefallen, seinem Geschmack zu entsprechen. Die Baristin scheint ein Talent zu besitzen, seine Gemüte immer zu erahnen und bereitet immer den richtigen Kaffee zu. Erdig, wenn er sich verloren fühlt; Beruhigend, wenn er aufbrausend ist; kräftig, wenn er müde ist; sanft, wenn er nachdenklich ist. Aber vielleicht lässt er sein Gemüt auch von dem Geschmack des Kaffees lenken. Mit der Zeit fühlt er sich verstanden und findet eine andere Geborgenheit, die er bei seiner Familie nicht finden konnte und ihm eigentlich auch nie gefehlt hat bis er das Café an jenem Abend entdeckte.

Er weiß ganz genau – er wird das Café vermissen, wenn es irgendwann nicht mehr da ist, er wird die Baristin vermissen, die ihm das erschöpfte und warme Lächeln geschenkt hat, er wird diese andere Geborgenheit vermissen, die ihm eigentlich nicht gefehlt hatte…

Jeder von uns sollte ein Lieblingscafé haben. Manche von uns besitzen sogar das Glück, ihr Lieblingscafé irgendwann für sich allein als ihr Zuhause zu verwandeln…

Wer ist mein Lieblingscafé und wer deins? Haben wir auch das Glück, dass unser Café unser Zuhause wird?

Wie viel Kaffee wird meine Freundin noch trinken, damit sie sicher weiß, ihren Lieblingskaffee gefunden zu haben? Vielleicht kann man den Lieblingskaffee nur finden, wenn man beschließt, keinen weiteren Kaffee mehr zu trinken.

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