Konichiwa Sushi Nara

Guten Tag Sushi Nara

Heute war ich in Japan auf der Friesenstrasse in Köln – eine satte halbe Stunde! Es geht nicht? Doch, ich war bei Sushi Nara!

Die Glastür geht auf, ich trete ein – ich war nie zuvor in Japan, daher weiß ich eigentlich gar nicht, wie es sich so anfühlt, wenn man in Japan ist – aber in diesem Moment habe ich einfach das Gefühl, wenn ich in Japan gewesen wäre, dann hätte mich Jetzt & Hier an Japan erinnert. Eine unglaublich große aber total angenehme Ungleichheit spüre ich zwischen hier hinter der Glastür und der Straße draußen.

Wenn ich mit einem Wort diese Mini Sushibar beschreiben soll, dann ist sie „heimelig“: ein hoher und langer durchzogener Holztisch, 4 passende Hocker. Am Fenster finde ich auch eine kleine Sitzecke und an der anderen Wand finde ich zwei kleine Tische ebenfalls mit hohen Holzhockern. Winzige aber offene Küche, winzige Zubereitungstheke, ein dunkelblauer Vorhang trennt die Bar von dem noch winzigeren privaten Bereich des Barbesitzers. Der Vorhang wirkt so freundlich, dass ich auch gerne diskret vor ihm stehen bleiben möchte und nicht mit Neugier darein spähen werde. Ich setze mich an einen kleinen Tisch und schaue mich um: an der Wand sind zwei Regale eingebaut mit vielen vielen kleinen Nischen, in denen viele viele verschiedene Tees in Gläsern aufbewahrt sind. So viele Teesorten habe ich nie gesehen! Selbst bei Teegeschwendner habe ich mich nie so gerührt gefühlt von der Zuneigung zu den Tees, von der Liebe zu Details.

Es ist so leise hier. Ich beobachte jede Bewegung der Köchin, jede Geste des Kellners, sind sie ein Liebespaar oder doch Geschwister? Sie gehen so freundlich, fast schon zart miteinander um. Ohnehin kann ich Japanisch nicht verstehen, aber sie reden trotzdem in einer gedämpften Lautstärke, bei der ich sie einfach nicht stören will, auch wenn ich jetzt eigentlich Hunger habe. Ich schaue ihn an und er versteht mich. In dieser Bar ist das eigentliche Essen für mich eine Nebensache geworden. Denn die Atmosphäre stillt meinen Appetit und gibt mir Freude.

Aber natürlich bestelle ich Sushi. Sie haben keine große Auswahl. 6 Menüs und verschiedene einzelne Sushi Rolls. Ich möchte einfach annehmen, dass die Köchin uns die Qual der Wahl ersparen will und daher bewusst die Vorauswahl für uns bereits getroffen hat. Ich werde hier keine Details über mein Essen beschreiben, denn das Essen ist doch vergänglich. Die Gefühle, die bleiben!

Ein Ausflug nach Japan kostet manchmal nur ein paar Schritte und 10 Euro!

Bis bald und ich freue mich, dass es sie gibt!

Nachtrag: wieder zuhause angekommen. Durch Google habe ich heraus gefunden, dass Sushi Nara die Friesenstraße schon seit 15 Jahren mit ihrem besonderen sanften Charisma versüßt. Die Welt ist schnelllebig geworden und daher bin ich so dankbar, dass heute so eine kleine Bar mir doch den Glaube der Unendlichkeit wieder geschenkt hat.