So bin ich, so ist mein Restaurant – Qing Dao

„Bitte glaube mir: Das ist das beste chinesische Restaurant in Köln überhaupt! Endlich habe ich das gefunden, was mir schon seit Jahrzehnten fehlt…vergiss die in Altöl triefenden billigen Peking-Ente-Imitate, die in den China-Buden angeboten sind, deren Besitzer aber eigentlich Vietnamesen sind, vergiss auch den gebackene-Bananen-Mythos, den jeder urban Chinese auslachen würde…“ meine Freundin – Jun kann einfach nicht aufhören für dieses Restaurant zu schwärmen.

Es tut mir fast weh zuzusehen, dass in den letzten Jahren die chinesische Kulinarik in Deutschland zu so einem Allyoucaneat Format und in eine Kantinenkultur inflationiert oder gar degradiert wurde. Da ich trotz aller kulinarischen Enttäuschungen weiter hoffen möchte, dass es irgendwo doch das Wahre und das Gute gibt, lasse ich mich diesmal wieder überzeugen.

Nun sitzen wir in dem Restaurant Namens „Qing Dao“ an der Deutzer Freiheit.

„Bruder Liang!“ Jun grüßt den Koch mit traditioneller chinesischer Anrede anstatt dem westlichen etwas distanzierten Ausdruck „Herr“.

„Schwester Jun! Na, endlich hast Du Zeit gefunden. Endlich gibst Du mir mein Gesicht! Willkommen in meinen bescheidenen Laden!“ der Koch – Bruder Liang – auch der Restaurantbesitzer grüßt zurück – höflich erfreut und ebenfalls traditionell. Er hat ein weißes T-Shirt an, das seinen kleinen zufriedenen Bauch gerade nicht vorteilhaft aber dennoch sympathisch erscheinen lässt.

„Wer ist deine nette Begleitung?“

„eine sehr gute Freundin, die neugierig ist auf Deine Kochkunst! Du wirst sie bestimmt nicht enttäuschen!“

„Gut! Dann ziehe ich mich zurück in die Küche und versuche meine Ungeschicklichkeit durch Fleiß zu kompensieren. Bitte setzt euch!“

Wir wählen einen Tisch am Fenster mit Rhein-Blick aus. Ein Ebenholz-Paravent, das mit chinesischer Schnitzerei verziert ist, trennt dezent unseren Tisch von einem kleinen Separee, in dem eine kleine chinesische Reisegruppe ihr Sightseeing eifrig plant. Obwohl die Lautstärke der Reisegruppe ziemlich laut ist, fühlen wir uns nicht gestört. Die kleine Sichtblende scheint die Lautstärke ein bisschen undurchdringlich zu dämpfen. Ein edles Ebenholz-Paravent ist schon etwas Feines!

Sowie das in China üblich ist bekommen wir zuerst zwei kleine Vorspeisen in kleinen weißen Porzellanschalen serviert – diese kleinen Speisen gehen aufs Haus des Restaurants:

eingelegter Rettich (süß, sauer & scharf)

Ackerbohnen (geröstet & gesalzen)

Es ist eine winzige Geste, die das Heimatgefühl sofort hervorruft – zumindest bei mir. Es kostet wirklich nicht viel. Aber dennoch ist diese Geste einfach kostbar! Das ist ein kleines Detail über sein Verständnis des Heimwehs. Für mich ist der Besuch in einem chinesischen Restaurant nicht derselbe in einem z.B italienischen Restaurant. Wenn ich ein neues italienisches Restaurant besuche, dann ist einzig die Neugierde die Motivation. Aber ein chinesisches Restaurant! – da sind außer Neugierde noch einige andere Motivationen! Zum Beispiel: mich dort dem Heimweh hinzugeben mit der Hoffnung, dass der vertraute Geschmack die Entfernung zu meiner Heimat ein bisschen näher erscheinen lässt.

Diese zwei kleinen Vorspeisen haben China definitiv um 1000 km näher zu Köln gerückt!

Schmorauberginen

Schmorauberginen

originale "Nicht-Peking" Ente

originale “Nicht-Peking” Ente

 

 

 

 

 

Okrakrone

Okrakrone

Wolfsbarsch - ein Stückchen schon gekostet bevor wir an die Fotos dachten...

Wolfsbarsch – ein Stückchen schon gekostet bevor wir an die Fotos dachten…

 

 

 

 

 

 

Es mag sein, dass meine deutschen Freunde manche dieser Bilder als ungewöhnlich bezeichnen werden (insbesondere die Fisch-Speise), aber das ist eben ein Stück wahres China – nicht immer ästhetizistisch, vielleicht gar zu sonderbar für die Augen des Westen, aber authentisch und wahr – und lecker!

Die Zeit hier im Restaurant fließt sogar schneller als der Rhein – drei Stunden sind vergangen und wir haben die vergangene Zeit nicht bemerkt.

Wir bedanken uns für die köstlichen Speisen und die Gastfreundlichkeit des Bruder Liangs.

„Es war ein wunderbares Fest bei Dir. Ich hoffe sehr, dass viele Chinesen sowie wir ein Stückchen Heimat bei Dir finden und ebenso viele Deutsche sich für die wahre Kochkunst Chinas – vielleicht auch die Fisch-Speise in unangepasste Kochart – begeistern können“ Mit meinen herzlichsten Wünschen für sein Restaurant verabschiede ich mich von ihm.

„Ja – das hoffe ich auch! Ich werde natürlich immer weiter lernen, wie ich noch besser kochen kann, aber anpassen? das werde ich nicht mehr! Denn ich möchte ein wahres China zeigen und nicht ein angepasstes Land. So bin ich, so ist mein Restaurant!“

Genau die richtigen Worte!

„So bin ich, so ist meine Saite!“ Ich lege keinen Wert darauf, jemals anders zu sein!

2 thoughts on “So bin ich, so ist mein Restaurant – Qing Dao

  1. Jun

    Oh! Ich hatte auch eine Rolle in dieser Artikel 😉 Du hast meine Erinnerung wieder geweckt.
    Was bedeutet ästhetizistisch? Das Wort finde ich nicht, meinst Du authentisch?

    You have done good Job!

    1. Jade Post author

      谢谢你读我的文章!是啊,我们共同的回忆。
      那个词是唯美的意思。是文艺创作上的一格术语。

Comments are closed.