Plötzlich Künstler – ein kleines Porträt in Worten

Irgendwann habe ich meinen Vater gefragt: „warum malst Du?“

„muss ich dafür einen Grund haben? Wenn ja, dann weil es mir danach ist“ So einfach, so ehrlich! Er ist in der Tat ein Künstler, der zwar diszipliniert übt, malt, gemalte Bilder wieder verwirft, den Pinsel wieder erneut ansetzt und weiter versucht, aber dennoch dies aus einem freien Gemüt tut. Daher wirken seine Bilder ungezwungen und entspannt. Natürlich sehe ich die Bilder meines Vaters mit einem starken emotionalen Bildung, sodass selber die Fehler, die er macht, auch einen besonderen Wert bei mir genießen.

Ein Waisenkind, später mehrere harte Jahre als Lehrjunge bei einem Eisenschmied in dem Dorf, in dem er auch geboren ist. Da es in der Eisenwarenhütte so dreckig und staubig war und er auch sehr klein gewachsen war, nannte man ihn „Xiao Hei“ (der kleine Schwarze). Danach folgten noch ein paar extrem disziplinierte Jahre beim chinesischen Militärdienst im damaligen „Xin ZhongGuo“ (Neu China). Danach ein ansehnlicher Beruf, meine Mama, ich… ein vorbildliches Familienleben!

Als er 48 Jahren alt war und man könnte sogar meinen, die turbulenten Jahren des Lebens müssten schon hinter einem liegen… Nein! Dann kam die Privatisierungswelle, wodurch er seinen Job als Werksleiter bei einem staatlichen Unternehmen verlor. Nun musste er um das Überleben der ganzen Familie kämpfen. Er ging nach ShenZhen – Fließbandarbeit, Lagerarbeit, egal. Hauptsache – er konnte mit dem Geld das Studium seiner Tochter finanzieren. Denn es war ihm wichtig! Es ist fast schon paradox: Gerade in dieser Zeit, wo er kaum noch freie Zeit hat, erwachte die Lust zur Kunst in ihm. Er nutzte jede freie Minute, um Kalligraphie zu üben und die verschiedenen Maltechniken auszuprobieren.

Vielleicht war das eine aktive Therapie oder auch eine Gedankenoase für ihn, wenn der Körper erschöpft ist, dann braucht man umso mehr eine Quelle, an der sich der Geist ernährt.

Wenn er sich an diese Zeit erinnert, spürt man kein bisschen Ressentiment, sondern nur Fröhlichkeit und Dankbarkeit. Das ist eben mein Vater, der immer in der Lage ist, das Glückliche in allen Lebensumständen zu sehen und zu schätzen. Diese Lebenseinstellung ist bestimmt in seinen Bildern zu sehen – daran glaube ich! Darauf bin ich stolz – für ihn!

Irgendwann vielleicht fragt mich meine Tochter: “wofür schreibst Du?”

“”Weil es mir am 01.07.2015 danach war…” Plötzlich RheinSaite!

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